Rettungstaucher

Taucher

Zur Rettung von untergegangenen Personen, zur Suche von Vermissten unter Wasser oder auch zur Bergung von Gegenständen, von denen eine Gefahr für Mensch und Umwelt ausgehen, werden speziell ausgebildete Rettungstaucher benötigt.
Der Aufenthalt in der "lebensfeindlichen" Umgebung unter Wasser, Arbeiten unter Druck, schlechte Sichtverhältnisse, kalte Wassertemperaturen und der psychische Druck stellen große Belastungen und Gefahren dar. Deshalb ist die Ausbildung zum "Befähigungszeugnis Tauchen" in der Wasserwacht die umfangreichste und längste Fachausbildung.

Voraussetzungen

Taucher unter Wasser
  • Mindestalter zur Ausbildung: 16 Jahre
  • Mindestalter zur Tätigkeit im Einsatz: 18 Jahre
  • Bei Minderjährigen schriftliche Genehmigung der Erziehungsberechtigten zur Ausbildung
  • Mitgliedschaft in der DRK-Wasserwacht
  • Deutsches Rettungsschwimmabzeichen Silber oder Gold (nicht älter als 2 Jahre)
  • Anmeldung zur Ausbildung durch die zuständige Wasserwacht
  • Erste-Hilfe-Grundausbildung (nicht älter als 2 Jahre) oder Erste-Hilfe- Training (nicht älter als 1 Jahr)
  • abgeschlossene Wasserretterausbildung
  • Funkeinweisung und -verpflichtung
  • Gesundheitliche Eignung nach G31 "Überdruck" (nicht älter als 1 Jahr)

Ausbildungsinhalte

Theorie (35 UE)

  • Regeln für Sicherheit und Gesundheitsschutz (GUV-R 2101)
  • Dienstvorschriften und Führen des Taucher-Dienstbuches
  • Tauchphysik
  • Ausbildungs- und Prüfungsvorschrift Tauchen APV-T
  • Gerätekunde:
    • Betriebssicherheitsverordnung
    • Aufbau und Wirkungsweise der Tauchgeräte und sonstiger Tauchausrüstungen
    • Kompressorenkunde und Füllen von Druckgasflaschen
    • Pflege und Instandhaltung von Gerätschaften, Tauchhygiene
  • Tauchmedizin:
    • Physiologie, Anatomie, Ernährung vor dem Tauchen
    • Temperatur
    • Wirkung des Druckes (Drucksteigerung, Druckabfall, erhöhter Partialdruck, Druckausgleich)
    • Taucherkrankheiten und andere Erkrankungen
    • Tauchpsychologie
    • Druckkammerbehandlung
  • Tauchgangsberechnungen:
    • Luftbedarf
    • Austauchtabelle
    • Wiederholungstauchgänge
    • Bergsee
  • Tauchpraxis:
    • Leinenzugzeichen und andere Verständigungsmöglichkeiten
    • Einsatzmöglichkeiten, Suchmethoden und Orientierungstauchen
    • Kennzeichnung und Sicherung von Einsatzstellen
    • Tauchen unter erschwerten Bedingungen (Strömung, Eis, geschlossene Räume, Dunkelheit, kontaminiertes Gewässer, Schiffahrt)
    • Vorbereiten eines Taucheinsatzes und Anlegen der Ausrüstung
    • Vorbereiten eines Tauchganges: Einstieg, Abstieg, Arbeiten, Aufstieg
    • Notsituationen
  • Natur- und Umweltschutz
  • Allgemeine Prüfungsvorbereitung in Frage und Antwort
Taucher im Hallenbad Tauchausbildung

Praxis an Land (20 UE)

  • Gerätekunde: ABC-Ausrüstung, Tauchgerät und Zusatzausrüstung
  • Montage der Gerätschaften und Funktionsprüfung
  • Erklärung der Wirkungsweise und Funktion von Taucherauftriebsmitteln
  • Planung und Vorbereitung von Tauchgängen, Bereitstellen und Anlegen der Tauchausrüstung
  • Knotenkunde, Leinenführung und Leinenslalom
  • Suchmethoden, Orientierungstauchen, Retten, Bergen
  • Kompasskunde
  • Instandhaltung von Tauchgeräten und Tauchhygiene, Desinfektion
  • Unterweisung Kompressor

Praxis im Schwimmbecken mit klarer Sicht (20 UE)

  • Ausbildung mit ABC-Ausrüstung:
    • Einweisung in die ABC-Ausrüstung
    • übungen mit ABC-Ausrüstung
    • Einführung Schnorcheln mit Abtauchen, Druckausgleich, 3 x 25 m Streckentauchen mit je 1 min Pause
    • Tauchbrille unter Wasser abnehmen, aufsetzen und ausblasen
    • Zwei verschiedene Sprünge (Fußsprung vorwärts und rückwärts) von 1 m Höhe oder Beckenrand
    • 1000m Schnorcheln in Brust- und Rückenlage ohne Armbewegung
    • 500m Schnorcheln mit einer Flosse und Armbenutzung
    • 35m Streckentauchen
    • 60 Sekunden Zeittauchen unter Zurücklegung einer Strecke von mindestens 10 m
    • Fachgerechte Rettung eines "verunglückten" Gerätetauchers vom Beckengrund:
      • 100m Anschwimmen
      • anschließend 200m Transportschwimmen
      • Ablegen der Ausrüstung
      • an Land bringen und Demonstration von Reanimationsmaßnahmen
  • Ausbildung mit Tauchgerät:
    • 2 Sprünge aus einer Höhe von 1m, Fußsprung vor- und rückwärts
    • 200 m Schnorcheln
    • Tauchbrille ausblasen
    • Tauchen ohne Tauchbrille, mindestens 1 Minute
    • Mit Hilfe kombinierter Tarier- und Rettungsmittel und Tariermittelim Wasser schweben und mit Partner mindestens 2 Minuten simulierte Wechselatmung ohne Flossenbewegung
    • Wechsel eines Tauchgerätes unter Wasser
    • Gerät aus 25m antauchen und anlegen
    • Leinenzieltauchen aus mindestens 20m Entfernung mit verdunkelter Tauchbrille
    • Retten eines verunglückten Tauchers
    • Kontrollierter Notaufstieg
    • Lösen von Muskelkrämpfen
    • Mindestens 30 Sekunden Atmen aus einem abblasenden Lungenautomaten
    • Wiedererlangen des aus dem Mund herausgenommenen, losgelassen und hinter dem Rücken hängenden Lungenautomaten
    • Kombiniertes Tariermittel mit dem Mund befüllen und anschließend 1 Minute schweben
    • Inflator ab- und ankuppeln
    • Ab- und Anlegen des Gewichtssystems an der Oberfläche und am Grund des Schwimmbeckens

Praxis im Freiwasser (30 UE)

  • Ausbildung mit ABC- und Tauchausrüstung:
    übungen sind in Anlehnung an entsprechende übungen im Schwimmbecken vom Tauchausbilder auszuwählen
  • Ausbildung mit Tauchgerät:
    Nach erfolgreicher Beendigung der bisherigen Ausbildung kann mit Tauchabstiegen im Freiwasser begonnen werden. Es werden Tauchgänge mit zunehmender Tiefe bis maximal 20m durchgeführt.
  • Mindestens 1 Tauchgang bei Nacht
  • nach Möglichkeit 1 Tauchgang in Strömung
  • Weitere übungen und Arbeiten entsprechend den Tauchmöglichkeiten
Abtauchen

Verlängerung des Befähigungszeugnisses Tauchen

Der Tauchschein in der Wasserwacht besitzt nur ein Jahr lang Gültigkeit. Damit dieser um ein weiteres verlängert wird, müssen folgende Voraussetzungen innerhalb von jeweils 12 Monaten erfüllt werden:

  • mindestens 10 Tauchgänge unter Einsatzbedingungen
  • Gesamttauchzeit von mindestens 300 Minuten
  • mindestens eine Unterweisung über die Regeln für Sicherheit und Gesundheitsschutz sowie über Neuerungen auf dem Gebiet des Tauchwesens
Eistauchen
Schleppstange im Einsatz